Wie hält man ein Weinglas richtig? Mehr als eine Frage der Etikette

Anstossen mit drei Weingläsern vor Sonnenuntergang

Am Stiel oder am Kelch? Die Art, wie Sie Ihr Weinglas halten, beeinflusst Temperatur, Aroma und letztlich Ihren Genuss. Mit ein paar einfachen Tipps behalten Sie in jeder Situation den richtigen Griff.

Was hat die Art, ein Weinglas zu halten mit Genussmaximierung zu tun?

Ein improvisierter Aperitif bei Sonnenuntergang oder die erste Nacht im VW-Bus unter einem funkelnden Sternenhimmel fernab der Zivilisation: Es gibt Situationen im Leben, da schmeckt der Wein auch aus dem Campingbecher. Für alle anderen Momente gelten einfache Regeln, mit denen Weinfreunde das Beste aus jedem Tropfen herausholen. Was das Halten eines Glases mit Genussmaximierung zu tun hat?

3 gute Gründe, ein Weinglas korrekt zu halten

  • 1) Wie Sie ein Weinglas halten, beeinflusst direkt Temperatur, Aroma und Geschmack – also den eigentlichen Genuss.

  • 2) Schon wenige Grad Temperaturunterschied können entscheiden, ob ein Wein präzise und elegant wirkt – oder flach und schwer.

  • 3) Aromen entfalten sich durch Bewegung: Ein leichtes Rotieren des Glases lässt die Duftstoffe intensiver wahrnehmbar werden. 

Halten Sie Ihr Weinglas bitte am Stiel. Immer.

Die meisten Weingläser haben einen Stiel. Das ist keine ästhetische Laune, sondern Funktionalität. Wer den Kelch anfasst, erwärmt den Wein. Punkt.

Bei einem Rotwein mag das noch halbwegs verzeihlich sein – wobei auch ein edler Pinot Noir bei 16 Grad deutlich mehr Finesse zeigt als bei 23. Bei Weißwein oder Champagner wird es allerdings zur Katastrophe. Ein Chablis, der lauwarm wird, verliert seine Spannung. Ein Champagner seine Frische.

Die richtige Grundtechnik (die Sie vermutlich schon kennen)

Daumen, Zeige- und Mittelfinger umfassen den Stiel knapp über dem Fuß. Ring- und kleiner Finger ruhen locker auf dem Glasfuß. Das gibt Stabilität und Kontrolle.

Es gibt Varianten: Manche halten den Stiel weiter oben, andere klemmen ihn zwischen Zeige- und Mittelfinger. Alles legitim, solange die Finger nicht am Kelch kleben.

Fingerabdrücke sind keine Patina

Fettige Fingerabdrücke auf einem Weinglas? Das geht zu weit. Nicht aus Prinzipienreiterei, sondern weil sie schlicht stören. Egal ob Burgunder Grand Cru oder unkomplizierter Côte du Rhône: Wein trinkt man auch mit den Augen. Die Klarheit, die Farbnuancen, das Spiel des Lichts im Glas – all das wird durch Schmierfilme ruiniert.

Warum Weinfreaks ihre Weingläser nie stillhalten

Wer mich kennt, weiß: Mein Weinglas steht nie still. Ich schwenke. Ständig. Fast unbewusst. Warum? Weil es den Wein öffnet.

Die Erklärung ist simpel: Durch die Rotation vergrößert sich die Oberfläche des Weins. Mehr Sauerstoffkontakt. Mehr Verdunstung. Mehr Aromastoffe, die in die Nase steigen.

Probieren Sie es aus. Riechen Sie an einem frisch eingeschenkten Glas Sancerre. Dann schwenken Sie es zehn Sekunden lang. Riechen Sie erneut. Der Unterschied ist verblüffend.

Tipps für Anfänger und Tischdecken-Ängstliche

Wenn Sie noch nie geschwenkt haben: Stellen Sie das Glas auf den Tisch. Halten Sie den Stiel zwischen Daumen und Zeigefinger. Bewegen Sie das Glas in sanften Kreisen. Der Wein sollte an der Glaswand hochsteigen, aber nicht überschwappen.

Üben Sie. Ernsthaft. Erst wenn das Handgelenk die Bewegung verinnerlicht hat, rotieren Sie freihändig. Das braucht etwas Gefühl – und Mut. Ich habe in meinen Anfangsjahren mehr als einen Teppich ruiniert.

Warum das alles keine Spielerei ist

Manche belächeln das Schwenken als Weinsnob-Gehabe. Dabei ist es schlicht Genussmaximierung.

Wein ist flüchtig. Das Aromenspiel kann sich nur dann entfalten, wenn es Raum bekommt. Ein Weinglas, das stillsteht, ist wie ein Buch, das man nicht aufschlägt.

Natürlich kann man Wein auch ohne das Belüftungsprozedere trinken. Man kann auch Austern ohne Zitrone essen oder Espresso ohne Crema trinken. Aber warum sollte man?

Was ist die ideale Trinktemperatur für Wein?

Sie entscheidet darüber, ob ein Wein seine Struktur zeigt oder seine Schwächen. Ob Tannine elegant wirken oder pelzig. Ob Frucht tanzt oder marmeladig klebt. Und doch wird kaum ein Aspekt beim Weingenuss so sträflich vernachlässigt wie die Gradzahl im Glas. Wie bestimmt man die richtige Trinktemperatur für Rotwein? Die Antworten in unserem gleichnamigen Blog-Beitrag.

Bartender serviert Rotwein am Tresen in einem Rotweinglas

Und für Champagner?

Champagner wird kühl, aber nicht eiskalt genossen – ideal sind etwa 8 bis 10 °C. Zu niedrige Temperaturen dämpfen die feinen Aromen, zu warme lassen die Perlage schneller entweichen. Serviert wird Champagner am besten in einem schlanken Glas oder einer tulpenförmigen Flöte, die die Perlage bewahrt und gleichzeitig die Aromen bündelt. Auch hier gilt: Champagner-Gläser hält man am Stiel, damit der Wein seine Frische behält. 

Welche Champagner-Gläser sind die besten?

Champagner ist zweifellos der begehrteste Schaumwein der Welt. Aber wissen Sie, wie genau das perfekte Champagner-Glas aussieht? Flöte, Schale, Tulpe: Wir haben die verschiedenen Champagner-Gläser für Sie unter die Lupe genommen!

Zurück zum Anfangsszenario

Der Wein und die Oliven stehen bereit, die Sonne verabschiedet sich langsam, aber weit und breit ist kein Korkenzieher zu finden? In diesem Fall haben wir vielleicht die Lösung. Mehr dazu in unserem Beitrag zum Thema Weinflasche ohne Korkenzieher öffnen.

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