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5 Preis-Genuss-Tipps (noch) unbekannter Süd-Rhône-Weinbaugebiete

Nahaufnahme des Weins Cairanne, Arcane XIV La Tempérance von © Xavier Vignon - Guenhael Kessler

Ein Streifzug von Cairanne über Rasteau, Laudun, Lirac und Vacqueras: Diese unterschiedlichen Rot- und Weißweine überzeugen ebenso durch Charakter wie durch preisliche Attraktivität.

Auf einen Blick

  1. Cairanne: Elegante, komplexe Rotweine mit guter Struktur und viel Tiefe. Auch die Blancs sind interessant.

  2. Rasteau: Kraftvolle, konzentrierte Rote mit dunkler Frucht und würzigen Noten. Besonders attraktiv für Liebhaber gehaltvoller Tropfen.

  3. Lirac: Vielseitige Weine mit mediterranem Charakter. Gelten als eine preislich attraktive Alternative zu Châteauneuf-du-Pape.

  4. Vacqueyras: Ebenfalls ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, insbesondere im Vergleich zum etwas bekannteren Gigondas.

  5. Laudun: Noch vergleichsweise wenig bekannt und deshalb besonders interessant. Fruchtbetonte Rote und frische, aromatische Weiße zu häufig moderaten Preisen.

Was zeichnet das Weinbaugebiet der südlichen Rhône aus?

Das Klima ist mediterran, die Sommer sind heiß und trocken. Dazu kommt der Mistral, der kalt aus dem Norden durch das Rhônetal fegt. Er pfeift durch die Zypressenhecken und reißt an Fensterläden und Wäscheleinen. In den Weinbergen trocknet er die Trauben und erspart den Winzern manchen Pilz. Die Grenachetraube bildet meist das Rückgrat der Cuvées. Höhe, Boden und Winzerhand prägen die Weinprofile, die von opulent-mächtig bis frisch und elegant reichen. 

Ein Papst wirft lange Schatten

Châteauneuf-du-Pape hat das Problem aller Berühmtheiten: Man bestellt ihn, weil man ihn kennt. Die AOC wurde 1936 geregelt, als eine der ersten Frankreichs. Sie erlaubt dreizehn Rebsorten, mit den Farbvarianten sind es achtzehn. Die Reben stehen auf Kieseln, den berühmten galets roulés, die für eine optimale Drainage sorgen.

Der Name erinnert an die Päpste von Avignon, die im 14. Jahrhundert residierten und sich hier ein „neues Schloss“ bauten. Das Gebiet hat weltweites Renommee erlangt, und man kann mitunter den Eindruck gewinnen, dass die Winzer der unbekannteren Nachbarorte sich damit abgefunden haben, im Schatten des berühmtesten Schlosses zu arbeiten.

Das hat seinen Vorteil: Wer nicht auf die große Marke starrt, findet charakterstarke Erzeugnisse, die ihrem berühmten Nachbarn in nichts nachstehen - häufig zu sehr fairen Preisen.

1) Cairanne: Garrige trifft auf Mineralität

Cairanne ist ein altes Weindorf mit jungem Titel. 2016 wurde der Ort in den Kreis der Rhônecrus aufgenommen. Im Glas verführen dunkle Beerenfrucht und jene Kräuternoten, die man als Garrigue kennt, dem würzigen Unterholz der Provence. Dazu kommt eine feine Mineralität.

Der Cru-Status kam spät, die Qualität nicht. Als Preisvorteil gilt Cairanne bei Kennern bis heute. Preise pflegen allerdings mit Titeln zu steigen, das ist die Mechanik des Marktes. Wer Cairanne probieren will, sollte nicht zu lange warten.

Südliche Rhône

5 Preis-Genuss-Champions

aus dem südlichen Rhône-Tal

  1. Rotwein · Weißwein

    Cairanne

    Preis-Genuss
    4 von 5

    Elegante, komplexe Rotweine mit guter Struktur und viel Tiefe. Auch die Weißweine sind interessant.

  2. Rotwein · Vin doux naturel

    Rasteau

    Preis-Genuss
    4 von 5

    Kraftvolle, konzentrierte Rote mit dunkler Frucht und würzigen Noten. Attraktiv für Liebhaber gehaltvoller Rhône-Weine.

  3. Rotwein · Weißwein · Rosé

    Laudun

    Preis-Genuss
    5 von 5

    Noch wenig bekannt und deshalb besonders interessant. Fruchtbetonte Rote und frische Weiße zu moderaten Preisen.

  4. Rotwein · Weißwein · Rosé

    Lirac

    Preis-Genuss
    5 von 5

    Vielseitige Weine mit mediterranem Charakter. Preislich attraktive Alternative zu Châteauneuf-du-Pape.

  5. Rotwein · Weißwein · Rosé

    Vacqueyras

    Preis-Genuss
    5 von 5

    Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, insbesondere im Vergleich zum bekannteren Gigondas.

Alle fünf Appellationen bieten herausragendes Preis-Genuss-Verhältnis im südlichen Rhône-Tal.

2) Rasteau: Cuvées mit Tiefe und Lagerpotenzial

Rasteau hatte lange das Image des kräftigen, etwas ungehobelten Landweins. Die Grenachetrauben reifen hier gut, und manche Winzer ließen ihnen offenbar zu freien Lauf. Das ist vorbei. Die besten Erzeuger keltern heute dichte, tiefgründige Cuvées mit gutem Reifepotenzial. Seit 2010 darf sich der trockene Rotwein Cru nennen. Dieser steht preislich noch immer hinter den berühmteren Nachbarn zurück.

Bekannt ist Rasteau außerdem für seinen Vin doux naturel, ein aufgespriteter, süßer Wein.

3) Lirac: sonnenverwöhnte Weine vom anderen Ufer

Lirac-Weine gedeihen am rechten, westlichen Ufer der Rhône, im Gard. Die Weinregion umfasst die Gemeinden Lirac, Roquemaure, Saint-Laurent-des-Arbres und Saint-Geniès-de-Comolas. Von dort blickt man über den Fluss direkt auf Châteauneuf. Die Reben gedeihen hier auf Kieselterrassen, Sand- und Kalkböden.

Lirac ist ein Nachbar mit eigenem Kopf. Die besten Exemplare spielen in einer ähnlichen Liga wie die berühmte Nachbarappellation und kosten häufig spürbar weniger. Neben Rot gibt es hier auch Weiß und Rosé, und der Rosé<ein verdient mehr Aufmerksamkeit, als ihm gewöhnlich zuteilwird.

4) Vacqueyras: intensiv-aromatisch, perfekt ausbalancierte Rote

Die Weinregion Vacqueyras liegt am Fuße der beeindruckenden Bergkette Dentelles de Montmirail im Département Vaucluse. Seit 1990 besitzt Vacqueyras den Status einer eigenständigen Cru-Appellation. Die Weinberge profitieren von einem mediterranen Klima mit heißen, trockenen Sommern und einer großen Vielfalt an Böden, die von steinigen Terrassen über Sand bis hin zu Kalk- und Lehmböden reichen.

Der Schwerpunkt der Produktion liegt auf kräftigen, charaktervollen Rotweinen. Sie zeichnen sich durch intensive Aromen von dunklen Beeren, Kirschen und Gewürzen sowie eine harmonische Tanninstruktur aus. Daneben entstehen auch elegante Weißweine und fruchtige Roséweine.

5) Laudun: überzeugt in rot und in weiß

Laudun am rechten Rhône-Ufer zählt zu den noch wenig bekannten Perlen der Region. Das Gebiet überzeugt mit kalk- und kieselhaltigen Böden sowie einem mediterranen Klima, das den Weinen viel Ausdruck und Charakter verleiht.

Besonders reizvoll ist die Vielfalt: Die saftig-floralen, aromatisch tiefen Roten wirken kraftvoll, bleiben dabei aber angenehm geschmeidig und elegant. Eine echte Besonderheit sind die Weißweine, die rund 30 Prozent der Produktion ausmachen: die fruchtig-frischen, fein ausbalancierte Weißen sind eine Entdeckung wert.

Côtes du Rhône Villages: Spannende Entdeckungen aus dem Süden

Der einfache Côtes du Rhône ist der Brotwein des Südens, ehrlich und oft besser als sein Ruf. Eine Stufe darüber stehen die Côtes du Rhône Villages. Interessant wird es, wenn auf dem Etikett zusätzlich ein Ortsname steht, etwa Saint-Maurice, Séguret oder Plan de Dieu. Diesen Zusatz dürfen nur Weine tragen, deren Trauben aus der genannten Gemeinde oder Lage stammen. Hier zeigt die Herkunft, was sie kann.

Aber auch ohne zusätzlichen Ortsnahmen entstehen hier mitunter top-bewertete Tropfen, die es nicht zu unterschätzen gilt.

Nahaufnahme des Etiketts des Weins Nobles Origines, Côtes du Rhône © Tardieu Laurent - Moirenc Camille

Ausgewählte Preis-Genuss-Champions aus der Südrhône

Guigal - Côtes du Rhône 2022

E. Guigal ist einer der Top-Referenzen der Region und kann mit von der Fachpresse häufig hoch bewerteten Erzeugnissen zu einem unschlagbaren Einstiegspreis aufwarten. Der 2022er Côtes du Rhône erhielt.

Famille Perrin: La Gilles 2023

Famille Perrin liefert mit diesem Gigondas ein kraftvolles, würziges Profil auf Cru-Niveau. 92+ Parker-Punkte von Parker für einen sehr fairen Preis.

Tardieu: Vacqueyras "Vieilles Vignes" 2022

Laurent Tardieu, ein renommierter Négociant der Süd-Rhône, erfeut preisbewusste Weinfreunde mit diesem tiefen, strukturierten Vacqueyras aus alten Reben zu einem sehr fairen Preis.

Xavier Vignon: Vacqueyras 2022

Xavier Vignon überzeugt durch faire Preise und Qualität: So liefert beispielsweise sein 2022er Vacqueyras ein würziges, fruchtbetontes Profil zu einem Preis, der weit unter dem Niveau vergleichbarer Crus liegt. 92 Punkte von Suckling.

Domaine Santa Duc: Aux Lieux-Dits 2022

Domaine Santa Duc gehört zu den besten Adressen in Gigondas: 94 Punkte von Suckling und 93 von Parker für einen Preis, der für diese Qualitätsstufe außergewöhnlich fair ist.

🍷Wenn Gigondas aus dem Schatten des Papstes tritt

Weinflasche Vignes Vinsobres vor leuchtendem Kaminfeuer ©Serge Chapuis

FAQ

Welche Appellationen gehören zur Süd-Rhône?

Im Zentrum stehen die Crus. Das sind Châteauneuf-du-Pape, Gigondas, Vacqueyras, Vinsobres, Rasteau, Cairanne und Beaumes-de-Venise, dazu Lirac und Tavel, eine reine Rosé-Appellation. Darunter liegen die Basis- und Regionalweine, nämlich Côtes du Rhône und Côtes du Rhône Villages, mit und ohne Ortsangabe. An die Südrhône grenzen Ventoux, Luberon, Costières de Nîmes und Grignan-les-Adhémar.

Welche Rebsorten prägen das Weinbaugebiet?

Bei den roten ist Grenachetraube die unangefochtene Leitsorte. Meist wird sie mit Syrah und Mourvèdre zum klassischen „GSM-Blend“ assembliert, ergänzt durch Cinsault und Carignan. Bei den Weißweinen sind es Grenache Blanc, Clairette, Roussanne, Marsanne, Bourboulenc und Viognier.

Welche Weinanbaugebiete gibt es an der Rhône?

Die Weinregion gliedert sich geografisch und stilistisch in zwei Hauptbereiche und ein Nebental. Die Nord-Rhône ist schmal, mit steilen Hängen und kontinentalem Klima, etwa in Côte-Rôtie, Hermitage und Condrieu. Der Süden ist flacher bis hügelig, mediterran und von weiten Rebflächen geprägt. Das Diois liegt als Nebental an der Drôme und ist für den Schaumwein Clairette de Die bekannt.

🍷Entdecken Sie das Rhônetal in all seinen Facetten in unserem Rhône-Guide.

 Weinberg von Vinsobres von Famille Perrin, gelegen in der Côtes du Rhône Méridionales © Famille Perrin - FACENDA

Wie unterscheiden sich Nordrhône und südliche Rhône im Stil?

Norden: Eleganz und Spannung

Das Klima ist kontinentaler, die Hänge steil und granitisch. Die Weine sind linear, mineralisch und von großer Spannung. Die Roten zeigen eine kühle Würze, florale Noten (Veilchen, Iris) und eine feine, aber langlebige Tanninstruktur. Die Weißen sind von seltener Dichte und Komplexität, mit einem langen Alterungspotenzial. Appellationen wie Côte-Rôtie, Hermitage oder Cornas stehen für Weine mit Tiefe und Ernsthaftigkeit.

Süden: Wärme und Fülle

Das mediterrane Klima bringt reifere, vollere Weine mit mehr Körper und Alkohol. Die Aromatik ist sonnenverwöhnt: rote und schwarze Früchte, Garrigue (Thymian, Lavendel, Rosmarin), Leder und Gewürze. Die Struktur ist breiter, die Tannine weicher und runder. Châteauneuf-du-Pape, Gigondas oder Vacqueyras verkörpern diesen mediterranen, üppigen Stil.

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