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Wie der Chablis Premier Cru Fourchaume die Pariser verzaubert

© Leif Carlsson, La Chablisienne, Nahaufnahme der Weinregion Chablis im Norden von Burgund

Der Weißwein aus der berühmten burgundischen Appellation gilt vielen Connaisseuren als der inoffizielle Lieblingswein der Pariser. Ein charmantes Klischee – mit historischem, geografischem und önologischem Fundament.

Fourchaume: Der Weißwein, der die Pariser begeistert – und mich gleich mit

Ich gebe es zu: Lange hielt ich Chablis für „austère" – ein Wort, das mir einst ein Kellner in einem kleinen bretonischen Fischerhafen mit auf den Weg gab, als ich nach einem Burgunder Weißwein zum Essen fragte. Seither blieb der „spröde“ Chablis für mich eher eine Pflichtübung als eine Herzensangelegenheit.
Bis vor Kurzem: Meine erste Vertikale von La Chablisienne hat mich vom Gegenteil überzeugt. Und sie hat mir gezeigt, warum dieser Wein seit Jahrhunderten die Herzen der Pariser erobert – Fourchaume ganz besonders. Wie kam es dazu?

Chablis ist untrennbar mit der Hauptstadt verbunden

Wenn Fourchaume der Star unter den Premiers Crus ist, so ist Chablis im Allgemeinen – von der generischen Appellation bis zum Petit Chablis – historisch und kulturell der Weißwein, der untrennbar mit der französischen Hauptstadt verbunden ist.

Man sagt oft von ihm, er sei „der Pariser Thekenwein" schlechthin. Diese seit Jahrhunderten währende Liebesgeschichte beruht auf offensichtlichen geografischen und logistischen Argumenten:

Der Wasserweg: Das Monopol der Yonne

Lange vor der Erfindung moderner Straßen oder der Eisenbahn erfolgte der Transport sperriger Waren über die Flüsse. Da der Serein, der durch Chablis fließt, wegen seiner geringen Tiefe und vieler Mühlen unschiffbar war, brachten die Winzer ihre Fässer mühsam per Pferdefuhrwerk ins nahegelegene Auxerre. Und von dort aus in das vergleichsweise dichte Paris.

Der Wein der Könige … und des Volkes

Dank dieser Nähe eroberte der Chablis alle Schichten der Pariser Gesellschaft:

Am Hof: Bereits im 17. und 18. Jahrhundert wurde er als „edler Wein" eingestuft und fand seinen Weg an die Tafel der französischen Könige.

In den Bistros: Im 19. Jahrhundert, als Paris wuchs, wurde der Chablis zum unverzichtbaren Weißwein der „Bouillons" und Trinklokale. Man nannte ihn gemeinhin den „Petit Blanc". Es war der Wein, den der durstige Pariser nach seinem Arbeitstag am Tresen bestellte, „au comptoir" wie man hier so schön sagt.

Chablis und Austern: Eine Pariser Love Story, die im 19. Jahrhundert begann

Die Liebesgeschichte zwischen Austern und Chablis wurde im 19. und frühen 20. Jahrhundert besiegelt. Ein Meilenstein dieser Epoche war die Errichtung der Halle aux Huîtres im Jahr 1845 in der Rue Montorgueil. Dort wurden täglich Tonnen von Austern von den bretonischen und normannischen Küsten angeliefert und direkt vor Ort mit Chablis (oft dem einfachen, säurereichen „Petit Chablis“) verzehrt.

Austern und Champagner-Flaschen vor einem Pariser Restaurant

Einen Chablis zu Austern oder einer Meeresfrüchteplatte zu trinken, wurde zum höchsten sonntäglichen Ritual der Pariser. Und nach wie vor schmückt sich sonntagmittags gefühlt jede Pariser Bar, die etwas auf sich hält, mit ihrem persönlichen Austernstand, dazu der passende Tropfen (je nachdem, wie chic das Viertel ist Petit Chablis, Fourchaume - oder Champagner).

Warum hat es der Fourchaume den Parisern besonders angetan?

Der reinsortige Chardonnay Weißwein erfüllt auf beeindruckende Weise sämtliche Kriterien, um die Hauptstadt zu verführen.

Eines der angesehensten Premier-Cru-Gebiete der Region

Der Weißwein verkörpert die Verbindung von burgundischer Handwerkskunst und Pariser Lebensart. Ein großer Chablis wird oft als ‚Stück flüssiger Kalkstein‘ beschrieben. Klingt nach Klischee? Vielleicht. Klischee hin oder her: Die Franzosen verstehen etwas vom Leben ...

Warum gilt Fourchaume als Top Premier Cru in Chablis?

Chablis Premier Cru Fourchaume

Eine der angesehensten Lagen der Region

  1. Es ist die Lage, die dem Wein besondere Eleganz und Tiefe verleiht

    Am rechten Ufer des Serein gelegen, erstreckt sich Fourchaume in direkter Verlängerung der legendären Chablis Grands Crus.

    Dank seiner idealen Südwest-Ausrichtung reifen die Trauben perfekt. Die Kimmeridge-Böden machen den Rest.

  2. Ein schmeichelndes, konsensfähiges Profil

    „Einfache“ Chablis-Weine vom linken Serein-Ufer kann man in ihrer Jugend mitunter als etwas herb oder karg empfinden.

    Der Fourchaume dagegen ist für seine Rundheit, seine Generosität und seine fleischige Note bekannt. Er gefällt auf Anhieb, selbst Einsteigern.

Und es war tatsächlich seine spürbare Mineralität und Tiefe, die mich bei der Chablisienne-Vertikale neulich so beeindruckt hat: Von Jahrgang zu Jahrgang verschob sich das Bild, das ich von Chablis hatte, weg von der reinen Säure hin zu einer Tiefe, die ich so nicht erwartet hätte.

Ein treuer Begleiter der Pariser Brasserien

Nicht zuletzt machen die charakteristische Frische und Salzigkeit des Chablis Premier Cru Fourchaume den Wein zum idealen Begleiter der klassischen Pariser Gastronomie – von Austern bis hin zu raffinierten Fischgerichten, die die Bewohner der Metropole schätzen.

Paris liebt Meeresfrüchte, Austernplatten, Lachstatar oder edle Fische. Die für den kimmeridgischen Untergrund charakteristische kreidige, salzige Mineralität des Fourchaume verleiht eine schneidende Spannung, die Jod und weiße Saucen sofort veredelt.

Ein (in Frankreich) leicht zu merkender Name mit schickem Image

In der Weinwelt spielt auch der Name eine entscheidende Rolle. „Fourchaume" klingt gut, prägt sich auf einer Weinkarte leicht ein und genießt einen schmeichelhaften internationalen Bekanntheitsgrad. Eine Flasche von dem Weißen in einem Pariser Restaurant zu bestellen, ist eine sichere Bank: die Gewissheit, nichts falsch zu machen und bei den Tischgästen zu glänzen.

Kurz: Weinliebhaber gönnen sich mit einer Flasche Fourchaume, die Komplexität, die Fülle und das Prestige eines Chablis Grand Cru – zum Preis eines Premier Cru.

Welche Qualitätsstufen gibt es beim Chablis?

Das Weinbaugebiet Chablis folgt einer klaren Qualitätshierarchie mit vier Stufen:

  • Petit Chablis: zugänglich, frisch und zitrisch – der Einstieg in die Chablis-Welt.

  • Chablis: mineralischer und ausgewogener, bildet den Großteil der Produktion.

  • Premier Cru: rund 40 Einzellagen mit mehr Tiefe, Eleganz und Reifepotenzial, etwa Montée de Tonnerre oder Fourchaume.

  • Grand Cru: sieben prestigeträchtige Lagen – Blanchot, Bougros, Les Clos, Grenouilles, Preuses, Valmur und Vaudésir. Sie stehen für höchste Komplexität und außergewöhnliches Lagerpotenzial.

Chablis, ein Erfolg, der weit über Paris hinausgeht

Der Berühmtheitsgrad der burgundischen Appellation war so durchschlagend, dass der Name „Chablis" im 20. Jahrhundert zu einer derart starken Marke wurde, dass die Amerikaner ihn jahrzehntelang für sich beanspruchten, um ihre eigenen generischen Weißweine in Kartons zu verkaufen (der berüchtigte California Chablis) – bevor die Ursprungsbezeichnungen streng geschützt wurden.

Auch heute, da die Pariser mühelosen Zugang zu Weinen aus aller Welt haben, bleibt der Chablis auf der Terrasse ein absoluter sentimentaler und geschmacklicher Wert.

Und ich? Ich bestelle inzwischen selbst Chablis – am liebsten zu Austern in meinem Lieblingsfischerhafen im Morbihan. Dem Kellner von damals würde ich heute gerne widersprechen.

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Zum Schutz der Jugend verbietet das Gesetz den Verkauf von Wein, Bier und Apfelwein an unter 16-Jährige sowie den Verkauf von Spirituosen, Aperitifs und Alcopops an unter 18-Jährige.
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