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Sangiovese: Fundament der toskanischen Kultweine

© Il Borro, gedeckter Tisch mit Il Borro Weinflasche und drei Weingläsern, im Hintergrund ein idyllisches Dorf der Toskana

Ihre Möglichkeiten sind so zahlreich wie unterschiedlich in der Verwendung – so kann man die Königin der italienischen Rebsorten als einfachen Tischwein wie als Edeltropfen mit internationalem Renommee vorfinden.

Auf einen Blick

  • Sangiovese ist mit rund 70.000 Hektar Italiens meistangebaute rote Rebsorte.

  • Die spät reifende, witterungsempfindliche Sorte prägt viele große Weine der Toskana.

  • Im Chianti Classico muss Sangiovese mindestens 80 Prozent der Cuvée ausmachen (ab dem Jahrgang 2027 steigt der Mindestanteil auf 90 Prozent).

  • Brunello di Montalcino wird ausschließlich aus Sangiovese erzeugt.

  • Auch viele Supertuscans verbinden internationale Rebsorten mit Sangiovese und werden als IGT Toscana vermarktet.

Woher stammt Sangiovese?

Die in der Toskana beheimatete Rebe ist mit Ihren rund 70.000 Hektar die am meisten gepflanzte Rotweineinsorte Italiens und kann in 66 Provinzen angebaut werden. Es handelt sich um eine langsam reifende Traube, die Ernte findet oft Mitte/Ende Oktober statt, wenn sie ihren perfekten Reifegrad erreicht hat. Der Sangiovese kann überaus empfindlich auf Witterung, Klima und Rebkrankheiten reagieren - Feuchtigkeit oder Kälte stehen ihm zuwider. Die Rebsorte gibt es sortenrein und in Form von Cuvées.

Eine der am weitesten verbreiteten Rebsorten Italiens 

Die Traube zeichnet sich durch ihre Vielseitigkeit und Anpassungsfähigkeit aus. Die kräftigen, komplexen Rotweine überzeugen durch ihre ausgeprägte Säurestruktur, einen mittleren bis hohen Tanningehalt und Noten von roten Früchten, Kräutern und Gewürzen. Sangiovese ist der Grundbaustein zahlreicher Kultweine der Toskana und gehört zu den Aushängeschildern des italienischen Weinbaus.

Welche Rolle spielt Sangiovese in Chianti und Brunello di Montalcino?

Weltklasse-Sangiovese der Toskana

Die Toskana ist seit der Antike als Weinbaugebiet bekannt. Seine sanften Hügel und das Mittelmeerklima sind die idealen Zutaten für den Weinbau. Die toskanischen Rotweine erfreuen sich eines weltweit guten Rufes, der auf den symbolträchtigen Weinbauregionen wie Brunello di Montalcino und Chianti Classico gründet.
Nicht zuletzt haben auch die Supertuscans auch Bolgheri zum Renommee der Region beigetragen.

© Felsina, Chianti Classico Jahrgang 2017, daneben ein gefüllte Glas Rotwein

Castello Banfi, Frescobaldi, Antinori, San Felice ... Die großen Namen der emblematischen Sangiovese-Weine stehen bei den passioniertesten Weinenthusiasten als Inbegriff für Raffinesse, Eleganz und Authentizität und verkörpern die Quintessenz der italienischen Finesse.

Chianti und Chianti Classico DOCG

Ein Chianti Classico muss einen Mindestanteil von 80% Sangiovese aufweisen (gegenüber 70 % im Chianti), der durch andere, oft autochthone Sorten ergänzt werden kann. Im Chianti Classico DOCG sind weiße Rebsorten bereits seit dem Jahrgang 2006 vollständig untersagt. Eine weitere Anpassung wurde 2023 gesetzlich beschlossen: Ab dem Jahrgang 2027 muss ein Chianti Classico mindestens 90 % Sangiovese enthalten.

Als unnachahmlicher Ausdruck der Toskana zeichnet sich der berühmte Rote durch seine große olfaktorische Eleganz und aromatische Intensität mit Noten von Kirsche und Vanille aus. Am Gaumen sind dies harmonische Weine mit strukturierten Tanninen, die sich durch eine schöne Säure und einen langen Abgang auszeichnen, der mit empyreumatischen Aromen von Pfeffer und Tabak endet.

🍷Chianti: Warum es immer ein Classico sein sollte

Brunello di Montalcino DOCG

Der sortenreine Brunello di Montalcino gehört zweifellos zu den weltweit berühmtesten italienischen Weinen: Der Wine Spectator hat den Rotwein unter die 12 besten Weine des 20. Jahrhunderts gewählt, 2006 schmückte er die Spitze der Weltrangliste.

© Argiano, Brunello di Montalcino Jahrgang 2015, Nahaufnahme vom Etikett der Flasche

Der Brunello wird auf den Hügeln der Provinz Siena, ausschließlich in der gleichnamige Gemeinde, auf einer Fläche von 24.000 Hektar produziert, von denen nur 15% mit Weinreben gepflanzt sind. Mit einem typisch trocken-mediterranen Klima wird das Gebiet im Süden durch den Berg Amiata geschützt, der den Einfluss von Stürmen und Hagelschäden begrenzt. Die einzige zugelassene Rebsorte ist der Sangiovese, welche in der Region unter dem Namen Brunello bekannt ist - daher stammt auch der Name der Appellation.

🍷 Alles Wissenswerte zu dem Spitzenweinbaugebiet in unserem Blog-Beitrag Vom Klosterdorf zur Ikone – 7 Fakten über Brunello di Montalcino

IGT Toscana - oder die Revolution der Supertuscans

Mit Hilfe seines Neffen Piero Antinori und des Önologen Giacomo Tachis wurde im Jahr 1968 der Sassicaia auf den Markt gebracht - der erste toskanische Rotwein aus französischen Traubensorten.

Bei einer Verkostung war der US-amerikanische Weinkritiker Robert Parker so begeistert, dass er den Begriff „Supertuscan“ prägte – und damit den Beginn einer neuen Weinbauära in der Region. Seitdem ist der kultige Super Toskaner und die speziell für die Tropfen kreierte IGT Toscana nicht mehr aus der italienischen Weinbauszene wegzudenken.

Der Erfolg des Sassicaia inspirierte die Produktion weiterer Spitzenweine,

wodurch das Weinbaugebiet Bolgheri im Osten der Toskana heute nicht mehr für einfache Fassweine, sondern weltweit für die teuersten Rotweine Italiens bekannt ist. Die IGT Toscana Rotweine beeindrucken durch ihr großes Reifepotenzial, eine elegante Textur, weiche Tannine und einen langen Abgang mit Noten von Zedernholz und Pflaumen. Viele der berühmten Supertuscans verdanken ihre Komplexität jedoch der toskanischen Traubensorte Sangiovese, die in Bolgheri nicht ganz vergessen wurde: Die kraftvollen Cuvées werden oft durch einen saftig-fruchtigen Anteil der autochthonen Rebsorte verfeinert.

Weitere bemerkenswerte Appellationen, in denen die Sorte zu finden ist, sind Vino Nobile di Montepulciano DOCG oder auch Morellino di Scansano DOC.

© Antinori - Tenuta Tignanello, Supertuscan Solaia, Toscana, Nahaufnahme des Etiketts

Häufig gestellte Fragen zu Sangiovese

Wie schmeckt Sangiovese?

Strahlend rot, wunderbar kräftig und fruchtig-würzig: Im Glas entfaltet der italienische Rotwein auf Sangiovese-Basis Noten von Brombeeren, Pflaumen, Kirschen und Veilchen. Mit zunehmendem Alter entwickelt er Aromen von getrockneten Kräutern, Unterholz und Leder. Die toskanischen Rotweine weisen einen relativ hohen Säure- und Tannin-Gehalt auf, weshalb sie sehr gut zur Lagerung geeignet sind und meist ein Weilchen brauchen, bis sie trinkreif sind.

Ist Sangiovese trocken?  

Sangiovese Rotwein wird in der Regel trocken gekeltert. Allerdings kann die sensorisch wahrgenommene Trockenheit eines Sangiovese-Weins je nach Ausbau und Stilistik des Weinguts variieren. Einige Winzer produzieren auch halbtrockene oder liebliche Sangiovese-Rotweine, jedoch sind diese eher selten.

Welches Essen passt zu Sangiovese?

Chianti, Brunello und Co. passe hervorragend zu herzhaften Gerichten wie Pasta mit Tomatensauce, Pizza, gegrilltem Fleisch, gereiftem Käse und Antipasti.

Food-Pairings

Sangiovese: das passt!

Die Rotweinsorte begleitet wunderbar Antipasti, Pasta, Fleischgerichte und Pizza

  • Antipasti

    • Gegrilltes Gemüse
    • Prosciutto
    • Salami
    • Oliven
    • Getrocknete Tomaten
    • Pecorino
    • Parmesan
    • Burrata
  • Pasta

    • Tomatensaucen
    • Bolognese
    • Gnocchi mit Fleischbällchen
    • Lasagne
  • Fleisch

    • Tomatenbasierte Schmorgerichte
    • Lamm
    • Würstchen
    • Florentiner Steak
    • Würziges Huhn oder Truthahn
  • Pizza

    • Margherita
    • Salami- oder Peperoni-Pizza

🍷Noch mehr Wein-Pizza-Pairings finden Sie in unserem gleichnamigen Blog-Beitrag!

In welchen Ländern außerhalb Italiens wird Sangiovese erzeugt?

USA Napa Valley, Sonoma County und Mendocino County
Argentinien Mendoza
Australien South Australia und Victoria
Südafrika Stellenbosch
Neuseeland Hawke's Bay und Marlborough
Weitere Frankreich, Spanien, Griechenland, Chile

Etwas Geschichte ...

In Italien wird bereits seit der Antike Weinbau betrieben. Diese frühen Ursprünge des italienischen Weinbaus wurden später durch das Engagement der Griechen verstärkt, die das Land „Oenotria“ oder „Land des Weins“ nannten. Später verliehen die Etrusker und die Römer den italienischen Weinen ihre Adelsprädikate. Heute ist Italien eines der weltweit führenden Weinländer und begeistert mit einer Vielfalt an Weinen, die vom spritzigen Weißwein bis hin zu kräftigem Rotwein reicht.

Zu den berühmtesten Weinbauregionen Italiens zählen das Piemont mit seinen emblematischen Barolos und Barbarescos, das Veneto, Wiege der nicht minder berühmten Prosecco und Amarone-Weine - und nicht zuletzt die Toskana und ihre kultigen Sangiovese-Rotweine.

Italien kann mit über 400 verschiedenen Rebsorten aufwarten, darunter berühmte autochthone Sorten wie Nebbiolo, Barbera, Montepulciano, Trebbiano oder Nero d‘Avola - und der hier vorgestellte Sangiovese. Es gibt mehr als 100 Synonyme für die enorm verbreitete rote Traube, ein deutlicher Hinweis für ihre große Beliebtheit in Italien.

Blut des Jupiters

Es heißt, der Name Sangiovese käme von dem Latinischen „Sanguis Jovis“, was so viel wie „Blut des Jupiters“ bedeutet - doch lässt sich der hierdurch angedeutete antike Ursprung der Rebsorte nicht eindeutig nachweisen. Erstmals fand die Traube im Jahre 1600 Erwähnung. Auch die Entstehung der Rebe ist noch nicht geklärt: Die DNA-Untersuchungen sind derweilen nicht wirklich aussagekräftig. Klar scheint lediglich, dass die weitgehend unbekannten Sorten Cilieglio, Calabrese di Montenuovo, Muscat Rouge de Madère, Frappato, Foglia Tonda und Gaglioppo mit dem Sangiovese in Verbindung gebracht werden können.

Doch der genaue Verwandheitsgrad bleibt ein Mysterium. Sangiovese ist eine der ertragsreichsten roten Rebsorten Italiens, was allerdings nur eine der Erklärungen für die Vorliebe der italienischen Winzer für die rote Rebe ist. 

Sangiovese-Rebe in toskanischer Landschaft

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