René Gabriel
96: Fassprobe (18/20): Sehr beeriges Bouquet mit viel Druck, ausladend, Brombeeren. Fetter Gaumen, viel Souplesse, die Gerbstoffe sind leicht angetrocknet und geben so der Struktur eine feine, kernige Note, mittellanges Finale, leicht hinter dem 94er. 03: Wie viele grosse 95er beginnt der Wein mit einer dominierenden Säure. Diese Konstellation blockiert momentan die Evolution und so braucht es fast eine Stunde, bis der Wein sich langsam öffnet. Er zeigt Kraft, Muskeln und Potential, die Süsse kommt nur zögernd hervor und auch der zwar deutlich vorhandene Schmelz lässt noch auf sich warten. (18/20). 99: Das Bouquet ist kompakt, sehr tief zeigt aber pilzig-erdige Noten. Im Gaumen saftig, viel tiefgründige Cabernetnoten, Brombeeren, Fett und Fleisch, dien Gerbstoffe sind sehr fein. Der Wein würde von der Klasse sehr hoch einzuschätzten sein, tut sich aber momentan sehr schwer. Bereits vor zwei Jahren zeigte er sich verschlossen und unnahbar mit wilden, fleischigen Aromen. Warten! Potentialwertung: 18/20. 02: Aufhellendes Weinrot, am Rand rubiner Schimmer. Offenes Bouquet, zeigt mehr Würze wie Frucht, leider auch einen leichten Liebstöckel und Sellerieschalenton, Soyasauce, Bouillonpaste. Im Gaumen recht fein, wirkt im Extrakt etwas kernig und endet mit getrockneten Pflaumenschalen und Shi-Takepilzen. Trotz der Oxidation spürt man noch Tanninreserven. Keine optimale Flasche? Diese hier: 16/20. Eine Doppelmagnum aus Mäggi Hallers Keller im Juni 2005: Das Bouquet beginnt leicht grünwürzig, Pfefferschote, Pumpernickelbrot, Toastnoten, zugänglich, zunehmend süsser werdend, sexy. Im Gaumen saftig, elegant, seidene Textur, wunderschöne Balance, die Frucht ist noch recht präsent und zeigt sich zwischen rot- bis blaubeerig. Sucht man die effektive Pauillac-Grösse ist man geneigt etwas kritisch zu sein. Sucht man den enormen Genuss, so ist das momentan grad der richtige Wein für hemmungslose Pauillac-Orgien. 09: So sexy, süss, Kokosnoten, helle Pralinen, filigraner, besonders feiner Wein. (18/20). 12: Irgendwie ähnelt er dem 82er, vor allem mit seiner Fülle und dem Charme. Ist noch viel Brombeerensaft drin. Einfach nur Geil! (18/20). 14: Magnum. Mittleres Granat, fein oranger Rand. Offenes Bouquet, zwischen rot- bis blaubeerig, ein Hauch Caramel von den Barriques gibt dem Nasenbild eine sublime Fülle. Im Gaumen von guter, aber bedeutend weicherer Statur wie der 1996er, im Extrakt eine feine, noble Würzbitterkeit, was die Rasse dieses Weines anzeigt. Auf alle Fälle ist dieser Wein jetzt «ready to enjoy»! Und das haben wir genau so gemacht. (19/20). 16: Mittleres Purpur-Granat. Das Bouquet verspricht einerseits, ist aber dabei unglaublich verschlossen. Also nur sehr beschränkt kommunikativ. Im Gaumen demonstriert der Wein Strenge und Potential, gibt sich dabei aber ziemlich hart, vor allem das Zungenspiel windet sich förmlich bei diesen kernig-pfeffrigen Tanninen. Sehr schwer zu degustieren. Die nächsten 10 Jahre würde ich hier die Finger davon lassen und ihn danach lange dekantiere. Es gab schon zugäng-lichere Flaschen – bei anderer Gelegenheit. Potentialwertung: 18/20.