René Gabriel
02: Fassprobe (17/20): Herrlich duftiges Kirschenbouquet mit einem Hauch erfrischender Melisse darin, kandierte Früchte, Früchtetee, Cassis, Mandel- und Marzipannoten. Im Gaumen schlank anmutend, mit Muskeln, jedoch im Verhältnis dazu eher wenig Fleisch, florales Finale mit kernigen Gerbstoffen, die ebenfalls etwas zu stark im Vordergrund sind, versöhnliches Mocca im Finale. Insgesamt viel Rasse und auch Kraft, aber etwas zu wenig Fett dazu. Schon wieder ein eher enttäuschender Cos, der sicherlich kein Geschenk an seine Weinfreunde vom Preis her darstellen wird. Gleicht dem 94er, der ähnliche Parallelen bei der Primeurverkostung zeigte. 04: Deutlich hellere Farbe als die Jahrgänge 2002 und 2003; aufhellendes Rubin mit relativ grossem Wasserrand. Duftiges, pfeffriges Bouquet, rote Johannisbeeren, dahinter Kaffeenoten und Zedernholz, wunderschöne, an exotische Gewürze erinnernde Duftnoten darin (vor allem Nelken), bleibt jedoch eher schlank im Ansatz. Feiner, eleganter Gaumen, die Gerbstoffe wirken geschliffen und machen den Wein jetzt schon zart und fein, im Finale bleibt eine leicht unreife Schalennote zurück, mittleres Finish. (17/20). 06: Mitteldunkles Rubin-Purpur. Intensives, zu Kopf steigendes Bouquet, Wildkirschen, Kaffee, Gerwürznelken, leicht grünlicher Cabernettouch, eigentlich recht schlank, dafür aber ziemlich tiefgründig. Aromatischer Gaumen, mittlere Statur, schwarze Pfefferkörner, Pflaumenschalen, durch seine Konzentration etwas aufrauend, kann vielleicht noch einen Punkt zulegen und wird dann aber als eher klassischer, langlebiger Cos in die Geschichte eingehen. 08: Zum Mittagessen auf Cos getrunken. Zeigt sich jetzt schon als verführerischer Schmeichler mit einer weichen Textur und pflaumiger Süsse. Mittlerweile gibt Jean-Guillaume auch irgendwie zu, dass dieser Cos zwar aus einem grossen Jahrgang stammt, aber doch nicht ganz so gelungen ist. 09: Dunkles Granat mit violettem Schimmer. Würziges Bouquet, schwarzes Pfeffermehl, dunkle Edelhölzer, vielschichtig. Stoffiger Gaumen, leicht mehliger Körper, ausgeglichene Adstringenz, wirkt leicht aufrauend und so fehlt ihm etwas die Harmonie für seine erwartete Klasse. Am Wine und Dine in Bad Ragaz: Langweilig und irgendwie schon in erster Reife. 10: Braucht gut eine halbe Stunde Luft und wird dann recht fein und angehnehm. Ziermlich grosser, feiner St. Estèphe - aber kein grosser Cos. (17/20). 20: Dunkle Farbe mit immer noch violettem Schimmer. Das Bouquet ist einerseits floral, zeigt auf der anderen Seite aber auch dunkelröstige Moccanoten, schwarze Oliven, Terpentin, Pumpernickelbrot und kalifornische Backpflaumen. Im Gaumen mit dunkler Aromatik unterwegs, langes Finale. Ich hatte ihn in den letzten Jahren unterschätzt und werte ihn jetzt auf. Jetzt just auf dem Genusspeak. Bietet enorm viel Spass! (18/20). 20: Mittleres Weinrot mit Purpurreflexen, deutlich aufhellender Rand. Offenes Bouquet, zeigt eine gewisse Süsse von rotem Kirschenkompott und einem Hauch Amarena. Im zweiten Ansatz eine laktische Tendenz aufzeigend mit einem Touch von Milchkaffee. Das Nasenbild ist dichter und intensiver als beim Jahrgang 2000. Im Gaumen recht stoffig. Das fleischig-körnige Extrakt weist eine sanfte Bitterkeit von der Extrahierung auf. Ein ansprechender 2001er, welcher sich jetzt in der richtigen Genussreife befindet. Schmeckt besser als noch vor ein paar Jahren. (18/20). 21: Es war der dunkelste Wein von diesem Quintett. Sattes Purpur und letzte lila Reflexe in der Mitte aufzeigend. Das Bouquet zeigt einerseits immer noch schier primäre Fruchtnoten von Kirschen und Pflaumen, andererseits auch florale Spuren von nicht ganz ausgereichten Cabernet-Chargen. Er gibt sich komplex mit leicht laktischen Tendenzen in Form von Brombeerenjogurt. Im zweiten Ansatz; sehr würzig, Nelkenköpfe, Rosmarin und frisch gerösteter Arabica-Mocca. Im Gaumen recht tiefgründig, immer noch präsente Tannine, welche aber auch von einer möglicherweise recht grosszügigen Extraktion herstammen könnten. Diese Vermutung wird durch eine immer noch präsente, noble Bitterkeit gegen das Finale unterstrichen. Die Nasenwertung liegt praktisch bei 19/20. Der Gaumen relativiert dann die Note auf einen fairen Schnitt von; 18/20.