René Gabriel
87: Fassprobe (18/20): Verdecktes, tiefgründiges Bouquet, weit ausladend. Massive Tanninprägung, hoher, positiver Säurewert. Ein Brocken! 1995 gab es wenig Teilnehmer, die sich mit diesem Wein anfreunden konnten. So verbarg ich dann meine Euphorie über diesen noch verschlossenen, charaktervollen Pauillac. Kaufen Sie sich doch einfach eine Kiste, ziehen Sie so etwa im Jahre 2004 deren Nägel heraus und dann den Korken aus der Flasche. Und freuen Sie sich über einen derartig grossen Wein, der so wenig gekostet hatte.
98: Wer diesen Wein jetzt öffnet, wird ihn nicht verstehen. Ich liess die Flasche zwei Stunden zuvor in einem Restaurant in Bordeaux dekantieren: Noch immer war der reduktive "Cabernet-Böckser" fast unerträglich. Man vermutet Korken, alte Fässer und dergleichen. Doch nichts davon stimmt. Die Wahrheit ist einer der grössten Weine des Jahrganges 1986 wie Mouton, Lafite, Latour oder Margaux; nur viel, viel billiger... Und erst in zwei, drei Jahrzehnten werden es passionierte Bordeaux-Liebhaber am eigenen Leib erfahren. Ich hoffe, dass ich dann auch (noch) dazugehöre, denn es warten einige Normalflaschen und Magnumformate auf mich und meine Freunde.
03: Wie schon Jahre zuvor beginnt der Wein dumpf mit Noten von nassem Waldboden, getrockneten schwarzen Pilzen, jedoch auch Trüffelnoten, das Nasenbild zeigt aber auch eine gewaltige Tiefe; Cigarrenduft, Eucalyptus und reduktiver, fleischiger Cabernet. Im Gaumen fest, erste Terroirnoten, viel Muskeln und Fleisch, trotz ersten Reifetönen noch immer eine nachhaltige Adstringenz. Stundenlang dekantieren – oder noch warten (18/20).
06: Pilziges Bouquet, reduktiv, zeigt Untergrund aber öffnet sich nur zögerlich. In der Nase kompakt, rauchig, wilde Cabernettöne die auch etwas Grünes in sich tragen und an einen mineralischen Napa erinnern. Im Gaumen noch fest, körnig unentwickelt, eine nahezu blockierte Flasche die wesentlich jünger wirkte als ander 1986er in dieser Degustation. Braucht viel Luft - 3 Stunden dekantieren.
09: Auch nach zwdei Stunden Belüftens immer noch eher kühl, erdig und unnahbar. Dann schüttete ich den Wein von einem Glas ins andere und das half. Keine Frucht - nur Terroir und als Solches eher im artisanalen Bereich.
12: Eine Flasche in Risch, welche fürchterlich korkte!
15: Vier Stunden dekantiert. Immer noch sehr dunkel, man sieht aber gewisse Reifereflexe. Tiefgründig, rauchig, erdig zeigt einen floralen, tendenziell kühlen Cabernetschimmer, ein Hauch von Oxydation schimmert unten durch. Im Gaumen mürbe, bourgeoiser Cabernet-Eindruck, die Tannine sind noch mehlig und körnig. Im finale reicht es fast nach Heitz-Napa. Kein Schmeichler, also genau das Gegenteil der heitgen GPL's. Da muss was Kantiges auf den Teller. (18/20).
16: Mitteldunkles Weinrot, nur wenig Reife zeigend, aber deutlich aufhellend am Rand. Erdiger Beginn, Karton, Rindsbouillon, feiner Torfschimmer, insgesamt nur mittleren Aromendruck zeigend. Im Gaumen erstaunlich weich, will heissen; die Tannine sind geschliffen und zeigen noch ein paar Muskeln, im Finale wird er dann doch noch etwas gerbig und vermittelt einen sandigen Ausklang. Legte positiv an Aromatik zu an der Luft. (18/20).
16: Ziemlich dunlkes Weinrot. Zeigt gleich zu Beginn eine grosse, klassiche, teifgründige Bordeaux, respektive gar klar anzeigende Pauillacnase. Perigordtrüffel, Tabak, dunkle Edelhölzer, auch noch Nuancen von Cassis anzeigend. Wirkt barock im Ansatz. Fester Gaumen, noch adstringierend, die Tannine zeigen weiteres Potential an. Also ist er wohl erst am Anfang seiner Genussreife und verlangt nicht nach sofortigem Genuss. Auch das ist eine eine Leistung – nach immerhin 30 Jahren. Vier Stunden dekantieren. (18/20).
17: Immer noch sehr dunkel, wenig gereift. Moosig, morscher Balken, verdorbene, dunkle Pilze. Im Gaumen geht’s grauslig weiter. Die Substanz ist an sich gross. Leider hat der Wein einen muffigen Begleitton. Zapfen? TCA? Keine Bewertung. Um ganz sicher zu sein, müsste man diesen Wein eigentlich generell meiden. (17). Die Flasche wurde spontan geöffnet und blind serviert. Alle monierten Korken. Wenn ich gewusst hätte, was es war, hätte ich mdem Gastgeber gesagt, er soll diese Übermorgen trinken.