René Gabriel
Mehr als zwanzig Mal getrunken. Er hatte eine unglaublich lange Fruchtphase, verschloss sich nur kurz und bereits 1991 zeigte er sich am Anfang der Genussreife (19/20): Öffnende Nase mit frischem Trüffel (sehr intensiv), rotbeerige, fruchtige Konfitüre, ohne dabei süss zu wirken. Im Gaumen konzentriert, ohne überladen zu sein, perfekte Eleganz, sehr vielversprechend, am Anfang einer langen und äusserst erfreulichen Entwicklung. 1997 an einer Probe blind auf Anhieb erkannt. Er zeigt im Moment einen Kräuterton, den man auch beim 86er Margaux feststellen kann. Im Gaumen schlanke Eleganz mit gut stützender Säure. Er ist erst am Beginn einer sehr langen Genussphase. Auf sicherem 19/20 Punkte-Kurs! 00: In Top-Form und irgendwie erst am Anfang einer sehr langen Genussreife. Wir tranken ihn neben einer Magnum Pétrus 1979, der keine Chance gegen diesen wohl besten Wein dieses Jahrganges hatte. Die Farbe zeigt wenig Reife. Die Frucht ist immer noch sehr primär; vor allem Preiselbeeren und ein herrliches Margaux-Parfüm berauschen die Sinne der Nase. Im Gaumen schlank, seidig, elegant und wieder diese umwerfende Süsse. Grosser Wein, mehr wert, als er auf Auktionen kostet. 02: Eine gigantisch schöne Impérialeflasche an der Semester-Raritäten-Degustation im Haus Paradies in Ftan. Bereits die Nase ist fast explosiv mit seiner Kräuter- und Fruchtnotenkombination. Im Gaumen Extraktsüsse pur, saftig und stoffig. Wenig geschrieben, viel getrunken! 07: Am Wine & Dine der Credit-Suisse. Noch sehr dunkel in der Farbe, satt in der Mitte, aussen erste Reife zeigend. Das Bouquet zuerst trocken, dann süsser werdend, Rauchnoten, Trüffel, Backpflaumen und viel Tabak die sich mit einem Küchenkräuterton wie Thymian vermischen, nach einer Viertelstunde zeigt sich mehr Frische in Form von getrockneten Preiselbeeren und Minzetönen. Im Gaumen fest, guter Biss, fleischig mit noch stützenden Tanninen, druckvolles Finale. Grosser Médoc-Klassiker der zu den besten seines Jahrganges gehört! 08: Blind als Margaux erkannt aber als 82er vermutet. Feine Torfnoten, Preiselbeeren, rote Johannisbeeren. Im Gaumen etwas rustikal aber das gleicht sich wieder mit Kraft aus. (19/20). 12: Ich stellte ihn schon zu Beginn bereit, doch ich war mir nicht sicher, wie durstig meine Gäste wohl waren. Also irgendwie eine hingestellte Reserveflasche, die es dann doch dringend brauchte um nicht mit langen Gesichtern neben leeren Gläsern sitzen zu müssen. Und genau dies strafte etwas den Genuss dieses Margaux’, denn undekantiert schmeckte er nicht ganz so gut, wie meine besten Erinnerungen. Das allergrösste Erlebnis mit diesem Wein liegt genau 10 Jahre zurück. Da öffnete ich eine Impériale im Haus Paradies in Ftan. So schnell sah ich noch nie den Inhalt einer Grossflasche verschwinden. Doch zurück zu dieser Normalflasche: Leuchtendes, recht dunkles Rubin, nur ganz feiner Reifeschimmer. Das Bouquet begann trocken, etwas Heu, getrocknete Thymian, Rosinentöne von überreifem Traubengut, dann fruchtiger werdend, vor allem Preiselbeeren spürt man ganz merklich in der immer süsslich werdenden Nase. Im Gaumen feines Muskelspiel, gut stützende Säure, weitere Tanninreserven. Legt zu an der Luft, also unbedingt zwei Stunden dekantieren. (19/20). 13: Dunkles, dichtes Weinrot, noch sehr jugendlich wirkend. Viel rote, reife Pflaumen, heller Tabak, ein Hauch Caramel und für dieses Alter noch unglaublich viel Vanillin zeigend, dezent laktisch im Ansatz. Im Gaumen burgundisch, saftig und sehr cremig, dezent rotes Capsin im Innern ausweisend. Wirkt unlogisch modern und jung. Die Genussgarantie reicht noch für weitere 20 Jahre. 14: Beginnt reif und rauchig, trocken. Im Gaumen zimelich rustikal die erste Viertelstunde. Beeindruckend ist seine Konzentration. Nach einer halben Stunde wird er runder. Er ist sicherlich jetzt am Genusspunkt. (19/20). 16: Eine Flasche mit mittlerer Schulter. Leicht oxydativ. Waldige Noten, aber auch mit einer trockenen Süsse. Kompakt im Gaumen, dezent kapselige Noten. Sicherlich keine optimale Flasche. Aber hat trotzdem gepasst. Es gab Cervelat und Käse dazu. (19/20). 17: Intensives, wenig gereiftes Bordeauxrot. Er ist unglaublich würzig von Beginn weg, Wildledernoten und Rosinentöne. Im zweiten Ansatz getrocknete Küchenkräuter, schwarze Pfefferkörner, kalter Kamin, alles sehr intensiv. Im Gaumen konzentriert, etwas mürbe in seiner dezent körnigen Textur, fleischig und vielleicht auch etwas rustikal. Das Wichtigste ist, dass dieser 1979er zu den besten seines Jahrgang gehört und heute noch sehr präsent ist. (19/20). 20: Mitteldunkles Granat mit letzten Purpur-Reflexen. Sehr intensives, dichtes Bouquet. Eine geballte Ladung an Kräutern, getrockneten Früchten, edlem Leder und würzigem Terroirduft. Im zweiten Ansatz schwingt eine traumhafte Nuance von grossartig süssem Madeira mit, ohne das Bouquet ins Oxydative zu ziehen. Bereits nasal eine grosse Klasse vermittelnd. Im Gaumen satt, konzentriert, mehr stoffig wie fleischig. Wieder findet man viel Aromen von getrockneten Beeren, welche sich mehrheitlich im rotbeerigen Bereich befinden. Dieser tolle Margaux gehört zu den allerbesten Weinen des Jahrgangs 1979. Und davon gibt es leider nicht mehr viele. Ausser ein paar veralteten Auktionsresultaten findet man hier praktisch keine Angebote mehr in der Schweiz. Schade – denn dieser grosse Margaux hält noch ein paar Jahre durch! (19/20).